Stadtratssitzung: Versorgungssicherheit bei Gas und Strom bleibt gegeben, aber Preise explodieren, 2024 und 2025 könnten sehr bitter werden!

Die Beteiligungsberichte der Stadt Greiz für das Kalenderjahr 2020 wurden durch die Stadträte in Augenschein genommen und hinterfragt. Umfassend war die Diskussion bei der Energieversorgung Greiz GmbH und der Greizer Energienetze GmbH. Geschäftsführer Ronny Stieber stand Rede und Antwort.

Foto Jarling GbR

Zu Beginn fragte Jens Geißler (IWA) den Energieversorgungschef Ronny Stieber hinsichtlich der weiteren – absehbaren – Entwicklung des Unternehmens. Hintergrund ist, dass die Hälfte der Gewinne an die TEAG, die andere Hälfte aber an die Greizer Freizeit- und Dienstleistungs-GmbH fließen, um dort die Verluste auszugleichen. Ausgehend von den im Bericht genannten aktuellen ungünstigen Rahmenbedingungen wie z.B. die drastische Verteuerung von Strom- und Gaspreisen auf dem Markt erklärte Stieber, dass 2020 ein echtes Ausnahmejahr war. Das Kundencenter sei ein halbes Jahr geschlossen gewesen, was sich negativ auf die Kundenbindung auswirke. Man habe weniger Strom und Gas verkauft, weil durch Gewerbe und Industrie dies weniger nachgefragt wurde. Trotz Homeoffice konnten die Privathaushalte diese verlorene Nachfrage nicht kompensieren. Man muss aber auch sehen, dass in dieser schwierigen Situation sich die Energieversorgung Greiz GmbH behauptet habe, die Stadt Greiz von einer Ausschüttung über einer 1 Mio. € an die GFD profitierte, nicht zu vergessen je rund 500.000 € für Gewerbekonzession und Gewerbesteuer. Sein Ausblick auf die Zukunft machte aber deutlich, dass die Ergebnisse rückläufig sind, der Markt stets schwieriger werde, denn in den letzten 5 Monaten haben sich die Energiebörsenpreis verdreifacht. Die  Preiserhöhungen von 200 % könne man nicht 1:1 an den Kunden weitergeben, denn das führt zu weiteren Belastungen nicht nur der Privathaushalte , sondern auch der Unternehmen.

Zudem erläuterte er, dass die Netzte unter staatlicher Regulierung stehen. Staatlich festgelegte Erlösobergrenzen wurden halbiert, was ab 2024 für Gas und ab 2025 für Strom gelten soll. D.h. dass höhere Einnahmen bei der Energienetze GmbH gekappt werden, was aus seiner Sicht nicht kompensierbar ist. Die bisherigen Ergebnisse lassen sich nicht steigern! Auch aus der 5-Jahresplanung, zu der jeder Geschäftsführer einer GmbH gesetzlich verpflichtet ist, ist schwierig. Dabei muss er z.B. die aktuellen Neuerungen aus den Koalitionsverhandlungen im Blick haben. Dieser stelle alles auf den Kopf. Das betrifft auch das Unternehmen in Greiz, bei dem der Status Q fortgeschrieben werden muss, bei fortschreitender Marktschrumpfung. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass für das Unternehmen und die Stadt Greiz die Größenordnung eines Gewinns von 800 T€ (wie 2020) ein sehr beachtliches Ergebnis sei.

Torsten Röder (AfD)  dankte der Mannschaft der Energieversorgung für ihren Einsatz unter den gegebenen Bedingungen im Pandemiejahr.  Aus dem Bericht ist zu entnehmen, dass bei der Greizer Energienetze GmbH sich die Belastung verdoppelt habe. Er wollte wissen, ob diese Verdopplung einmalig oder symptomatisch aufgetreten sei. Hr. Stieber erklärte, dass 538 T€ Verlust eine Verschlechterung der Vorjahresleistung um rund 250 T€ darstelle, was sich aus gesunkenem Absatz von Strom und Gas ergeben hatte. Hier ist auch kein Nachholeeffekt möglich, dazu drücken die o.g. regulatorischen Themen das Ergebnis zusätzlich, weshalb weitere 250 T€ Verluste denkbar sind. Man muss auch mit einer neuen Pleitewelle rechnen. Bisher gab es 12 Insolvenzfälle, die damit zu erhöhter Grundversorgung durch die Energieversorgung Greiz GmbH abgedeckt worden sind.  Man muss aber mit weiteren solchen Insolvenzen von Anbietern rechnen, was dazu führt, dass die Mitarbeiter der Energieversorgung über die Feiertage im Einsatz bleiben, um Grundversorgung sicherzustellen. Das bringt zwar eine gewisse Marktbereinigung mit sich, da der Trend noch nicht gestoppt sei. Man kann hieraus aber nicht ableiten, dass man weitere Kunden dauerhaft gewinne. Kunden die bei anderen Anbietern waren, wechseln auch wieder ganz schnell von der Grundversorgung zu einem neuen Anbieter. Weiter angesprochen hatte Torsten Röder das Thema Blackout und Versorgungssicherheit in Europa und wollte wissen, wie die Energieversorgung hierauf vorbereitet ist. Hier konnte Hr. Stieber beruhigen und erklärte Versorgungssicherheit. Partielle Stromausfälle bis in den Mittelspannungsbereich könne man für 2-3 Tage abfedern.

Blackouts seien Großausfälle, die auf Kompensationsmaßnahmen innerhalb von Europa zurückgingen. In solch einem Fall greife auch kein Notstromaggregat, dass sind dann Fälle für den Katastrophenschutz. Es gibt Ansätze der Politik, die das erkennen, man muss aber auch sehen, „es ist ein politisch gewollter Weg der Liberalisierung mit dramatischen Auswüchsen“, so Stieber. Auf Übertragungsnetzebene gebe es täglich mehrflächige große Eingriffe um Blackouts zu verhindern, was man z.B. sehe, wenn Windparks trotz Wind still stehen.  Bis 2030 sollen 80 % der Energie aus regenerativen Energien erwirtschaftet werden, nach seiner Meinung überwiegend Windenergie, Wasserkraft sei vernachlässigbar.

Holger Steiniger (Die LINKE) wollte wissen, ob die Strom-/Gasversorgung der Privatkunden jederzeit gewährleistet war, keine Abschaltungen erfolgten bei nicht pünktlich bezahlenden Bürgern. Wie sei der Stand 2020 gewesen, wie ist er aktuell? Welche Möglichkeiten hat die Energieversorgung?

Mit dem Prepaid-Automat (Vorkasseautomat zum Aufladen der Stromkarte bei Vorkassezählern), der auch während der Pandemie rund um die Uhr zugänglich ist und war, hat man ein probates Mittel um Versorgungsproblemen Einzelner entgegen zu wirken. Die Bürger mit wirtschaftlichen Problemen sollen Kontakt zur Energieversorgung aufnehmen. Es gibt die Stundungs- und Ratenzahlungsmöglichkeiten, damit keiner abgeschaltet werden muss.  Es gab in sehr geringem Umfang Abschaltungen. Dabei stellte sich dann heraus, dass die Wohnungen oftmals nicht mehr bewohnt waren.  Wenn es von Kundenseite aber wilde Beleidigungen gegenüber Mitarbeitern der Energieversorgung gäbe, dann ließe man aber auch keine Toleranz walten.

Jens Geißler fasste kurz zusammen: Der GFD soll Geld entnommen werden, die Marktpreise seien derzeit um rund 200 % gestiegen, jeder muss ab 2023 mit massiven Steigerungen der Strompreise rechnen. Jeder könne sich das für sich selbst ausrechnen und wir müssen die Auswirkungen sehen. Industriebetriebe haben jetzt schon Probleme, man wird es nicht beeinflussen können. 2022 sei der Strom eingekauft, der Strompreis stabil. Was werde ab 2023 kommen?

Auch hierauf erklärte Hr. Stieber, dass immer 3 Jahre im Voraus zum Lieferjahr Strom und Gas eingekauft würden, für 2023 ist man bereits zu 70 % eingedeckt, „für 2024 liegen wir deutlich geringer“. Aber er müsse genau wie alle anderen in die Glaskugel schauen, um zu wissen, was würde. Fakt ist, die geringen Kraftwerkskapazitäten müssen kompensiert werden. Der Ausbau erneuerbarer Energien gehe nicht so schnell vonstatten, es könne also so und so ausgehen. Er geht fest davon aus, dass die Preise nicht mehr auf früheres Niveau sinken, 2024 und 2025 könnten sehr bitter werden.

IWA Greiz / Andrea Jarling 09.12.2021

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