IWA/PRO-Region Chef Jens Geißler prognostiziert :„Wirtschaftlich steuern wir auf eine absolute Katastrophe zu“!

GREIZ.  Jens Geißler aus Greiz ist überzeugt: Durch die rasant steigenden Kosten könnten deutsche Unternehmen auf dem Weltmarkt kaum noch mithalten. „Wirtschaftlich steuern wir auf eine absolute Katastrophe zu“, ist Jens Geißler überzeugt. Er führt mehrere Unternehmen und ist Vorsitzender des Industrieforums, ein lockerer Zusammenschluss von bis zu 15 Firmenchefs. Und er ist sicher, dass wir mit der aktuellen Entwicklung im Land die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland aufs Spiel setzen.

Jens Geißler führt mehrere Unternehmen und ist Vorsitzender des Industrieforums.
Foto: Tobias Schubert

Durch die rasant steigenden Kosten könnten deutsche Unternehmen auf dem Weltmarkt kaum noch mithalten. „Derart hohe Energiepreise wie bei uns gibt es in anderen Ländern nicht oder aber die Firmen dort werden stärker unterstützt“, sagt der Greizer. Die Konkurrenz aus dem Ausland sei mittlerweile auf dem gleichen technischen Stand wie die Betriebe hierzulande, könnten aber bedeutend preiswerter produzieren.

Aktuell belaufen sich die Kosten für Strom und Gas in Geißlers Unternehmen auf rund 200.000 Euro, wenn sich der Betrag vielleicht verdreifachen sollte, hat er ein Problem: „Wir können die Mehrkosten nicht auf die Produkte umlegen, weil wir dann nicht mehr weltmarktfähig sind. Wie die Wirtschaft das überleben soll, darüber redet keiner.“ Er berichtet von einem Mitwettbewerber aus den Altbundesländern, der inzwischen nur noch die Logistik in Deutschland behalten und die Produktion nach Rumänien verlegt habe.

Darüber hinaus sieht Jens Geißler das Land in einer Strukturkrise, nennt etwa lange Genehmigungsprozesse und umständliche Verwaltungsabläufe. Zudem fühlt sich der Firmenchef von der Politik im Stich gelassen. Er hat den Eindruck, es interessiert keinen. Und er kritisiert, dass die meisten Politiker fachlich nicht kompetent seien. „Wir brauchen Fachgremien, die Entscheidungen treffen, und keine politischen“, meint er und nennt ein Beispiel: „Wir haben diese Inflation, weil die Politik Geld gedruckt hat.“ Leidtragende seien vor allem Senioren, die zwar eine Rente haben, die aber nichts mehr wert sei.

Geißler plädiert darüber hinaus dafür, bei der Aufnahme von Flüchtlingen ganz genau hinzusehen. „Die Frage, ob alle Flüchtlinge tatsächlich Kriegsflüchtlinge sind, muss erlaubt sein. Und zwar ohne, dass man gleich in die rechte Ecke gestellt wird“, findet er.

Letztlich vermisst er auch einen Notfallplan, der für Situationen wie die, die wir derzeit erleben, längst in der Schublade liegen müsste. Über Alternativen, etwa bei Thema Energie, hätte man früher und intensiver nachdenken müssen – und entsprechend handeln. Und zwar nicht nur auf Bundes- oder Landesebene, sondern auch auf kommunaler, so Geißler, der für Interessengemeinschaft für Wirtschaft und Arbeit-Pro Region im Greizer Stadtrat sitzt.

Katja Grieser/ OTZ Greiz 26.08.2022

https://www.otz.de/regionen/greiz/greizer-unternehmer-wettbewerbsfaehigkeit-unserer-firmen-wird-aufs-spiel-gesetzt-id236254493.html

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.