Integriertes Stadtentwicklungskonzept 2035 für die Stadt greiz 2.Workshop am 20.10.2021

Die IWA informiert: Die Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen (LEG) unterstützt die Stadt Greiz mit ihrer Kompetenz bei der Erstellung eines integrierten Stadtentwicklungskonzeptes. Wie soll man im Jahr 2035 leben können? Wie sieht Greiz dann aus?

Foto Jarling GbR

Dazu wurde im Amtsblatt im Juni 2021 aufgerufen, seine Meinung in einem dafür entwickelten Fragebogen loszuwerden. Im zweiten Workshop am 20.10.2021 vor ca. 30 Teilnehmern, darunter Unternehmer, Wohnungsunternehmen, Stadt- und Ortschaftsräte und andere Interessierte führte Fr. Feustel von der LEG in einem Rückblick aus, dass es eine breite Beteiligung gegeben hätte. Die Status- Q-Analyse mit Unternehmen, Unternehmen der Wohnungswirtschaft, den Menschen mittels Fragebogen und mehrfachen Stadtbefahrungen sei nun abgeschlossen und die Bedarfe der Stadt ermittelt, die nun zu diskutieren seien. 465 Stellungnahmen, die zu 30 % von Bürgern aus Ortsteilen, zu 2/3 von berufstätigen Bürgern, ¼ von Rentnern bestanden, wurden ausgewertet. Deutlich unterrepräsentiert waren die Jugendlichen unter 18 Jahre. Aus diesem Grund wurde von den Teilnehmern angeregt, die Jugendlichen nochmals konkret über Schulen und Berufsschulen zum Mitmachen anzusprechen.

Aus den Einschätzungen wurde deutlich, dass begrenzte Kultur- und Freizeitangebote bestehen, unattraktive Brachen vorhanden sind, der Wirtschaftsstandort eher unterentwickelt und Einkaufsmöglichkeiten sowie Gastronomie sehr beschränkt sind. Die Innenstadt sei zu wenig belebt. Die Bausubstanz historischer Gebäude der Stadt ließe zu wünschen übrig. Hoher Wohnungsleerstand, sinkende Auslastung der Infrastrukturen sind weiter Probleme. Aus all diesen Bereichen müsste nunmehr im Hinblick auch auf eine weiter zurückgehende Bevölkerungsentwicklung eine auf geordnete Schrumpfung ausgerichtete Gestaltung der Stadt erfolgen. Hierzu braucht es die Entwicklung von Zielen und strategischen Ansätzen. Das wurde in der Form eines Worldcafé in Arbeitsgruppen für verschiedene Themen erarbeitet.

Zum Thema Wirtschaft wurden die Schwerpunktbranchen erörtert, aber auch eröffnet, dass gerade Firmen mit Arbeitsplätzen im digitalen Bereich unsere Vorreiter sein könnten. Die Frage der Höhe der Gehälter ist nach wie vor für viele Arbeitskräfte ein Thema. Es käme jedoch nicht darauf an, dass hier Unternehmer keine Arbeitskräfte fänden, sondern diese wie überall in der Bundesrepublik gezielt durch die Unternehmen angeworben werden müssen. In diesem Zusammenhang wurde auch erörtert, wie wichtig es ist, die Ausbildungsmöglichkeiten und den Berufsschulstandort Greiz vor allem auch für das Handwerk zu sichern, weshalb auch die Nichteinführung des AZUBI-Ticket nicht hingenommen werden kann. Für die Neuansiedlung von Unternehmern fordert man den Ausbauzustand der Straßen für die Benutzung durch LKW zu verbessern, den zweispurigen Ausbau nach Weida. Man muss sich auch um die Straßen kümmern und erhalten, die nach Greiz führen, denke man z.B. an die Papierfabrik.  

Wichtig ist die Schaffung von Gewerbeflächen mit ordentlicher Größe. Allein alte Brachen zu nutzen reicht oft nicht aus. Firmen die bereits ansässig sind brauchen Entwicklungsflächen. Viele Firmen können auf Brachflächen nicht untergebracht werden. Grundstückspreise und Gewerbesteuerhöhe ist ein weiterer Standortfaktor. Man müsse auch über Stromerzeugung nachdenken, die die Stadt autark  diesbezüglich werden lassen könnte. Massiv als Problem wurde gesehen, dass für unsere Stadt nur ein geringer Bekanntheitsgrad besteht. Gerade in den letzten Jahren wurde für die Werbung in die eigene Stadt zu wenig investiert. Präsentation auf Messen und Außenwerbung für Greiz existiert nahezu nicht. Es braucht umfassend Marketing für Greiz in alle Richtungen, aber insbesondere auch mit Blick  Richtung Zwickau, um z.B. Automobilzulieferer auch in Greiz anzusiedeln. Dazu wiederum braucht es einen echten Wirtschaftsförderer, der in Greiz agiert und Steine einer Neuansiedlung aus dem Weg räumt. Greiz fehlt diesbezüglich eine Dynamik. Zum Thema Wohnen und Städtebau muss man Entwicklungsflächen in der Stadt und den Ortslagen ermitteln. Dass der Zaschberg zu einem Wohngebiet mit Ein-Familien-Häusern entwickelt werden soll ist keine neue Information. In Greiz gibt es keine Baulandbevorratung. Das Wohnungsangebot wurde als oft nicht nachfragegerecht eingeschätzt. Die Entwicklung im Bestand ist deshalb für viele Eigentümer und Wohnungsgesellschaften das Hauptthema. Allerdings sind derzeit explodierende Baupreise häufig ein KO-Kriterium mancher Planung.

Neben dem Problem, dass gerade in Thüringen die Grunderwerbssteuer deutlich höher, als im benachbarten Sachsen ist wurde auch als Problem herausgearbeitet, dass wir zu wenig Planungsrecht in Greiz geschaffen haben oder wenn, es auch zu sehr klein, klein geregelt. Es braucht mehr Spielräume für das Bauen und engere Grenzen für den Stadtbauplaner.

Im Bereich Tourismus und Freizeit wurde nochmals aufgegriffen, dass der Bekanntheitsgrad für Greiz sehr niedrig ist. Stark diskutiert wurde die Frage, ob Greiz nun ein Alleinstellungsmerkmal hat oder nicht. Greiz hat zwar die Vogtlandhalle, aber für eine optimale Nutzung fehlt es an Hotels und Parkhaus. Diese weiteren Schritte Richtung Kultur- und Tourismusförderung wurden einfach noch nicht gegangen. Außerdem fehlt es an Gaststätten, die auch Montag und Dienstag geöffnet sind. Geschäftsleute wollen ihren Geschäftspartnern gehobenes Wohlfühlambiente bieten und ihnen bliebe oft nur das Bio-Seehotel in Zeulenroda oder das Hotel Gudd in Mohlsdorf. Wiederholt kam man auf fehlende öffentliche Toiletten, fehlende Busstellplätze oder ein mangelndes Nutzungskonzept für das Obere Schloss zu sprechen. Der Jugend fehlt es an einer Diskothek und überhaupt an öffentlichen Räumen. Die Tunnelnutzung vom Papiermühlenweg in Richtung Aubachtal wurde angesprochen oder auch der fehlende Aufzug und die bescheidene Zuwegung zum Oberen Schloss. In der anderen Gruppe wurden Themen wie Energie, grüne Umwelttechnologien, Gesundheit und vieles andere mehr besprochen. In Kürze erhalten alle Teilnehmer über diesen Workshop eine Zusammenfassung.

Mein Fazit: Die Greizer kennen die eigenen Schwachstellen ihrer Stadt sehr genau. Sie werden auch die Probleme angehen, die jetzt mit dieser Konzeption offen zu Tage treten und zwar jeder in seinem Bereich. Die Politik muss die richtigen Weichen stellen, was Bebauungspläne und Stadteilkonzepte angeht, was Wirtschaftsförderung betrifft. Unternehmer wissen, dass sie für eine Existenz in Greiz eben auch einzigartige Produkte und Alleinstellungsmerkmale brauchen. Manch Greizer könnte sich auch vorstellen, besonders für um den Zuzug der älteren Generation zu werben. Das wäre so schlecht nicht. Unsere am Markt tätigen Vermieter haben sich schon vor Jahren darauf eingestellt, es gibt ganz viele hervorragend arbeitende Pflegedienste. Selbst unsere Kulturlandschaft ist bereits überwiegend auf ältere Menschen ausgerichtet. Menschen, die sich um die älteren Bürger kümmern, finden hier ebenfalls gute Bedingungen für Arbeit, sie ziehen ihre Familien mit oder gründen sie in Greiz. Daran kann ich nichts Schlechtes finden. Fakt ist, dass wir in unseren Ortsteilen die Infrastrukturen für Versorgung, Schulen, Kindergärten, öffentlicher Personennahverkehr aufrechterhalten müssen und dass die medizinische Versorgung durch die Praxen, MVZs und das Kreiskrankenhaus erhalten bleiben. Ein Kampf, der sich lohnt!

Andrea Jarling, Greiz den 21.10.2021

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