Interessengemeinschaft Wirtschaft und Arbeit

Vogtländische Besonderheit: Die Greizer Landrätin über die Zukunft der Vogtland-Philharmonie

OTZ gegen Kulturabbau: Die Thüringer Theater- und Orchesterdebatte geht an der Vogtland-Philharmonie spurlos vorbei. Ein Gespräch mit der Greizer Landrätin Martina Schweinsburg zur Zukunft des Orchesters.
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Die Vogtlandhalle ist die Greizer Spielstätte der Vogtland-Philharmonie Greiz-Reichenbach. Foto: Christian Freund

rau Schweinsburg, das Land Thüringen äußert sich in seinem Perspektivpapier zur Thüringer Theater- und Orchesterlandschaft kaum zur Vogtland-Philharmonie. Sehen Sie das als Träger kritisch?

 

Die Vogtland-Philharmonie ist durch ihren länderübergreifenden Charakter eine Besonderheit in der deutschen Orchesterlandschaft. Das Orchester hat sich seit seiner Gründung 1992 zu einem wichtigen Kulturträger der Region entwickelt und wird bundesländerübergreifend finanziert. Diesem Umstand hat man im Perspektivpapier entsprechend Rechnung getragen.

Wünschen Sie sich mehr finanzielle Unterstützung vom Land für Ihr Orchester?

Die Vogtland-Philharmonie wird neben den Freistaaten Thüringen und Sachsen vom Landkreis Greiz, dem Vogtlandkreis, dem Kulturraum Vogtland/Zwickau sowie den Städten Greiz und Reichenbach wirtschaftlich getragen. Wenn auch in Zukunft jeder der Finanzierungspartner zu seinen vertraglichen Verpflichtungen steht, wird keiner der Partner über Gebühr belastet.

Die Stadt Greiz ist derzeit in starker Finanznot. Befürchten Sie, dass die Kommune als Träger und damit Finanzier der Vogtland-Philharmonie ausfallen könnte? 
Die Stadt Greiz ist ebenso wie alle anderen Finanzpartner des Orchesters eine entsprechende vertragliche Verpflichtung eingegangen, mir ist nicht bekannt, dass diese nicht eingehalten werden sollte.
Würden Sie als Landkreis nötigenfalls finanziell einspringen, um den Klangkörper zu erhalten? 
Diese Frage stellt sich nicht, ist rein hypothetisch. Nur die entsprechende finanzielle Beteiligung aller Vertragspartner zu den vereinbarten Konditionen stellt eine stabile Basis für die weitere Finanzierung dar.
 
Wie groß ist die Bereitschaft auf sächsischer Seite, das länderübergreifende Orchester zu erhalten? 
Die Bereitschaft ist meines Wissens genauso groß wie in Thüringen. Wir pflegen enge Kontakte zwischen den Kommunen, um für den Erhalt und die Entwicklung der Vogtland-Philharmonie eine solide Basis zu schaffen.
Der Thüringer Kulturminister Hoff (Linke) möchte die Gehälter der Theater- und Orchester-Mitglieder am liebsten dem Flächentarif anpassen. Wie viel Prozent des Flächentarifs erhalten die Musiker in Greiz-Reichenbach? 
Die Angestellten des Orchesters haben seit 1994 einen Haustarifvertrag, der sich seither an ca. 80 Prozent der Fläche orientiert.
Sind die Träger der Vogtland-Philharmonie ebenfalls bestrebt, die Löhne der Musiker anzuheben? 
In 2016 konnte die Löhne und Gehälter um 3 Prozent angehoben werden, für 2017 ist eine weitere Gehaltserhöhung geplant.
Die Orchestermitglieder in Greiz-Reichenbach haben sehr viele Gastspiele zu bestreiten. Wird den Musikern mitunter zu viel zugemutet? 
Die arbeitsvertraglich mögliche Arbeitszeit wird bei der Vogtland-Philharmonie zu 100 Prozent genutzt. Die Musiker, die Angestellten im Orchesterbüro und die Leitung des Orchesters sind hoch motiviert, und das ­Orchester ist durch die ungewöhnliche Breite und Vielfalt des Angebotes in der Region und weit darüber hinaus bestens aufgestellt.
Wie wichtig ist die Vogtland-Philharmonie für die Identität der Region? 
Seit Jahren wird das Orchester seinem Ruf als musikalischer Botschafter der Region gerecht. Durch eine kluge Programmauswahl lassen sich einmal einstudierte Konzerte mehrfach in der Region und darüber hinaus spielen. Durch diese hohe Reproduktionsquote arbeitet das Orchester besonders effektiv.
Stimmt es, dass in Reichenbach Orchester-Abos noch immer vererbt werden? 
Von den vorhandenen 630 Plätzen sind in Reichenbach derzeit 613 im Abo verkauft. Diese hohe Akzeptanz des Publikums beobachten wir aber auch an den anderen Spielorten des Orchesters.
Ulrike Merkel 12.03.16 OTZ

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