Interessengemeinschaft Wirtschaft und Arbeit

Zwei auf einen Streich: Grundschulen Cossengrün und Obergrochlitz werden geschlossen

Mit CDU-SPD-Mehrheit hat der Kreistag am Dienstagabend beschlossen, die Grundschulen Cossengrün und Obergrochlitz zu schließen. Eltern und Schulleiter sind fassungslos.

Aus Obergrochlitz und aus Cossengrün waren Eltern und Lehrer zur Kreistagssitzung nach Weida gekommen. Foto: Katja Grieser

Greiz/Weida. In Schockstarre schienen Eltern und Lehrer aus Cossengrün und Obergrochlitz gefallen zu sein, nachdem die zwei Abstimmungen am Dienstagabend in der Kreistagssitzung in Weida vorüber waren: Mit CDU-SPD-Mehrheit wurde die Schließung der Grundschulen in Greiz-Cossengrün Ende dieses und in Greiz-Obergrochlitz Ende des nächsten Schuljahres beschlossen.

Dagegen stimmten die Fraktionen Linke und Interessengemeinschaft für Wirtschaft und Arbeit/Bürgerinitiative für sozialverträgliche Abgaben und Leistungsgerechtigkeit in Zeulenroda und Umgebung/Bündnis 90/Die Grünen sowie die beiden NPD-Räte. Der Stimme enthielten sich (FDP) sowie Andreas Hemmann (SPD), bei der Obergrochlitzer Schule zudem (SPD). Ein IWA/BIZ/Grüne-Antrag auf namentliche Abstimmung war zuvor mehrheitlich abgelehnt worden. Vorausgegangen war eine zweistündige Debatte. Schulen sollen eine Größe haben, die es ermögliche, differenziert zu unterrichten. Zudem sollen sie wohnortnah sein, so Landrätin (CDU), "das heißt nicht, dass sie fußläufig zu erreichen sein müssen", betonte sie. Die Schülerzahl ist ein Grund, weshalb die beiden Greizer Grundschulen in den Fokus geraten waren - in Cossengrün lernen 30 Schüler, in Obergrochlitz 60. Bereits 2002, als der Schulnetzplan bis 2020 beschlossen wurde, habe man festgelegt, dass die Brecht-Grundschule in Abhängigkeit der Schülerzahlen erhalten bleiben soll. In Cossengrün habe man es von Fördermitteln abhängig gemacht, etwa davon, ob der Ort ins Dorferneuerungsprogramm aufgenommen wird. Die Anträge seien jedes Mal abgelehnt worden, so Schweinsburg, ohne etwas zu den Gründen zu sagen. Da es in der Goethe-Grunschule 80 freie Plätze, in der Lessing-Grundschule 30 freie Plätze gebe, sei es kein Problem, die Kinder aus den beiden bald geschlossenen Schulen unterzubringen. Schon jetzt, reagierte die Landrätin auf Kritik wegen der langen Schulwege, seien in Cossengrün 71 Prozent der Kinder "Fahr-Schüler", in Obergrochlitz 26 Prozent. Gegenübergestellt wurden die aktuellen Fahrtzeiten mit den künftigen, was vor allem bei Cossengrün interessant ist. So sei ein Kind aus Leinigen jetzt 55 Minuten, künftig 60 unterwegs. Für Schönbacher verlängere sich der Schulweg von acht auf 34 Minuten, für Cossengrüner von null auf 31 Minuten, für Hohndorfer von 18 auf 24 Minuten. Für Pansdorfer reduziere sich die Fahrzeit von 24 auf 18 Minuten. Wie sich in Gesprächen nach der Sitzung herausstellte, werden die meisten Cossengrüner Schüler künftig aber nicht nach Greiz fahren. "Wir haben uns für Elsterberg angemeldet", sagt etwa die junge Mutti Susanne Zschegner. Oliver Rohleder wies darauf hin, dass zu den Busfahr- auch noch Wartezeiten und zu Fuß zurückzulegende Strecken kommen. Die CDU-Fraktion hatte für den Vater und Vorsitzenden des Cossengrüner Schulfördervereins Rederecht beantragt. Rohleder kritisierte, dass in die Schule seit 25 Jahren kein Cent investiert worden sei. Auch hielt er der Schulverwaltung vor, die Eltern systematisch "entmutigt und demoralisiert" zu haben. So sei etwa eine mobile Brandschutztreppe, die die Eltern organisiert hätten, abgelehnt worden. Als weiteren Grund für die Schließung der Schulen führte die Investitionskosten an. 1,21 Millionen Euro müssten in das Haus in Cossengrün, 1,6 Millionen Euro in das in Obergrochlitz gesteckt werden. Das ist im Vergleich zu Irchwitz (2,8 Millionen) - dort stehe die Sanierung jetzt an - und Pohlitz (2,6 Millionen) zwar wenig, aber beim Blick auf die Schülerzahlen stelle sich die Sache anders dar. In Cossengrün müssten pro Schüler über 47 000 Euro investiert werden, in Obergrochlitz 41 000 Euro, in Irchwitz gut 25 000 Euro und in Pohlitz knapp 21 000 Euro. "Wir haben das Geld aber nur einmal, müssen Prioritäten setzen", so Schweinsburg. Schulausschussvorsitzender (CDU) sagte, es gehe nicht in erster Linie ums Geld, sondern um Schülerzahlen. Man könne sich aber dennoch nicht auf den Standpunkt zurückziehen, dass Geld keine Rolle spiele. Zeulenroda-Triebes habe das Recht, so Dietzsch, die Schüler aus den vor gut zwei Jahren eingemeindeten Orten nun in der Stadt zu beschulen. Zuvor waren die Kinder in Cossengrün unterrichtet worden. Unfair fand es (FDP), dass man den Orten im ehemaligen Vogtländischen Oberland zwar die Eingemeindung nach Greiz und Zeulenroda-Triebes "schmackhaft gemacht", ihnen aber verschwiegen habe, dass die eine Änderung der Schulbezirke nach sich zieht. Er wiederholte seinen Vorschlag, dass Greiz die Schulträgerschaft übernehmen könne, worauf die Landrätin entgegnete, dass dies nicht möglich sei, schon allein mit Blick auf die aktuelle Haushaltssituation der Stadt. (Linke), die Vorsitzende des Obergrochlitzer Schulfördervereins ist, übergab Schweinsburg die in knapp drei Wochen gesammelten 3939 Unterschriften zum Erhalt der Brecht-Grundschule. Und Jarling äußerte erneut ihr Unverständnis über die Eile, mit der die Entscheidung herbeigeführt werde. Zur Befürchtung, dass mit der Schule ein Dorfsterben einsetze, entgegnete (CDU), dass das weder auf Nitschareuth, noch auf Wildetaube zutreffe. Auch wenn dort Grund- beziehungsweise Regelschule geschlossen wurden, seien die Orte durch Engagement der Bürger sehr lebendig. Fassungs- und sprachlos waren die Schulleiter Sabine Noack (Obergrochlitz) und Peter Heider (Cossengrün) jedenfalls über das Abstimmungsergebnis. Enttäuscht waren viele Eltern vor allem vom Greizer Bürgermeister (SPD), der mit Ja zur Schließung beider Schulen gestimmt hat. Die Obergrochlitzer waren zudem empört, dass ihr Ortsteibürgermeister (CDU) das Aus für die Grundschule am Ort mitbeschlossen hat.

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