Interessengemeinschaft Wirtschaft und Arbeit

Obergrochlitzer wollen ihre Grundschule am Ort behalten

In einer teils sehr emotional geführten Diskussion haben die Obergrochlitzer deutlich gemacht, dass sie die Grundschule am Ort behalten wollen. Der Kreistag entscheidet am 3. März.

Warum wollt ihr unsere Schule schließen?, fragten die Obergrochlitzer am Donnerstagabend zur Versammlung in der Turnhalle. Foto: Katja Grieser Warum wollt ihr unsere Schule schließen?, fragten die Obergrochlitzer am Donnerstagabend zur Versammlung in der Turnhalle.
Foto: Katja Grieser
 
 

Greiz. Den Obergrochlitzern ist ihre Grundschule am Ort wichtig, das wurde am Donnerstagabend in der Turnhalle deutlich: Knapp 150 Interessierte waren zur Versammlung gekommen, bei der über das drohende Aus für die Brecht-Schule gesprochen wurde.
Unter den Zuhörern waren zahlreiche Stadt- und Kreisräte von CDU, SPD, Linke, Interessengemeinschaft für Wirtschaft und Arbeit sowie FDP. Entschuldigen ließen sich der Greizer Bürgermeister (SPD) sowie Landrätin (CDU). Beide waren vom Förderverein der Brecht-Grundschule, der die Diskussionsrunde organisiert hatte, eingeladen worden. Ortschronist Sven Klein machte zunächst einmal deutlich, dass die Schule, die seit 1994 den Namen Bertolt Brecht trägt, seit 120 Jahren zu Obergrochlitz gehört. Ein in der folgenden Debatte häufig geäußerter Vorwurf war jedoch, dass die "letzte große Investition in die Schule im Jahr 1994" gewesen sei. Die Sanierungskosten pro beschultem Kind werden nun als ein Grund genannt, weshalb von Seiten des Landratsamtes die Schließung empfohlen wird. Klein hatte für seinen Redebeitrag nicht nur in Archive gesehen, sondern auch in Wahlprogramme. Und so zitierte der Chronist aus den vor der Wahl erklärten Zielen von SPD und CDU, nannte unter anderem ortsnahe Beschulung und Stärkung des ländlichen Raums. Linke-Kreisrätin und Schulfördervereinschefin bat Ortsteilbürgermeister (CDU), ein paar Worte zu sagen. Der teilte zunächst einmal mit, dass der Ortsteilrat für die Erhaltung der Schule ist. Dafür gab es Applaus, was Frantz jedoch störte: "Das Geklatsche gefällt mir nicht", sagt er barsch. Der Christdemokrat wiederholte zudem das, was er bereits im Stadtrat gesagt hatte: Die Schule solle nicht saniert, sondern abgerissen und neu gebaut werden, meint er. Eine Chance sehe er auch darin, dass etwa die benachbarte Carolinenschule die Grundschule als freie, private weiter betreibe.

Vorgezogene Kreistagsdebatte

Die Obergrochlitzer wollten auch hören. Der Förderschulleiter und SPD-Kreisrat sollte das Konzept der von ihm geplanten "inklusiven Grundschule", wie er es nennt, erläutern. Genehmigt ist sie noch nicht. Zum Konzept sagte er wenig, dafür aber, dass das Haus, in dem sich die Brecht-Schule befindet, nicht Teil seiner Pläne sei. Einige Eltern meldeten sich zu Wort, so Steffen Wohlrab, der die Vorzüge der Obergrochlitzer Grundschule hervor hob: kurzer, sicherer Schulweg; dörfliche Umgebung; familiäres Umfeld sowie kleine Klassen, in denen es möglich sei, auf die Fähigkeiten, aber auch die Schwächen der Kinder besonders gut einzugehen. Die Schließung sei ein "unumkehrbarer Fehler", so Wohlrab, der von den Kreisräten erwartet, dass sie für den Erhalt stimmen. Die Brecht-Schule sei eine Alternative zu den vom Landratsamt wegen ihrer modernen Ausstattung bevorzugten "Stadtschulen mit asphaltierten Schulhöfen", sagt der Vater und meint Goethe- und Lessing-Grundschule. Und er fügt an: "Eine sanierte Schule ist kein Garant für gute Bildung." Selbstbewusst trat Schülerin Sarah Wohlrab vor die Zuhörer in der Turnhalle. "Ich bin in der vierten Klasse. Ich würde es schade finden, wenn die Schule geschlossen wird, auch wenn es mich nicht mehr betrifft. Ich werde mich immer wieder gern an diese schöne Grundschulzeit hier erinnern", sagt das Mädchen und fordert: "Diese Schule muss unbedingt erhalten bleiben." "Beschämend" findet ein ehemaliger Lehrer die Diskussion, da es dabei nicht um Kinder und gute Bildung gehe. Es sei ein großer Unterschied, ob man vor einer Klasse mit 35 oder mit 15 Schülern stehe, berichtet er aus seiner 40-jährigen Pädagogenerfahrung. Sauer ist eine Mutter aus Netzschkau, die erst seit Jahresbeginn ihr Kind nach Obergrochlitz zur Schule schickt. Sie hatte zu einer Alternative der Schule in ihrem Heimatort gesucht und sich für die Brecht-Schule entschieden. "Hätte man mich nicht informieren können, dass die Schule hier geschlossen werden soll? Man hat die Mitteilungspflicht verletzt. Das ist eine Sauerei", schimpft sie. Und eine andere Mutter wundert sich, dass sie einen Gastschulantrag für vier Jahre genehmigt bekommen hat und nun nach zwei Jahren Schluss sein soll für ihr Kind in Obergrochlitz. Das Ende des Abends ähnelte einer vorgezogenen Kreistagsdebatte. , Leiter des Greizer Gymnasiums und CDU-Kreisrat, sowie , Bürgermeister von Langenwetzendorf und CDU-Kreisrat, bemühten sich, die Notwendigkeit der Schließung zu erläutern. An den Schülerzahlen und den Sanierungskosten käme man eben nicht vorbei. Linke-Kreisrat schlug vor, die Schulbezirke aufzuweiten und nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten zu suchen. , der für die IWA im Kreistag sitzt, kann nicht verstehen, weshalb in dem riesigen Landkreishaushalt kein Geld für die Schulen da sein soll. Für FDP-Kreisrat wiederum sei der Gedanke an eine freie Schulträgerschaft "kein Schreckgespenst" und er ziehe auch die Möglichkeit in Betracht, dass die Stadt Greiz die Schulträgerschaft übernehmen könnte. Der Kreistag entscheidet am 3. März über die Schließung der Brecht-Grundschule und die der Grundschule Cossengrün.
Katja Grieser / 21.02.15 / OTZ

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