Interessengemeinschaft Wirtschaft und Arbeit

Deutliches Nein zu Schulschließungen

 

  •         <p> Die Dritt- und Viertklässler fühlen sich an ihrer  Grundschule in Cossengrün sichtlich wohl.                                 <span class=ITOSPRING pattern= ></span> Fotos (2):                                 <span class=ITOFOTOQUELLE>Katja Grieser</span>        </p>
  •         <p>Eltern und Lehrer kämpfen um den Erhalt der Grundschulen Cossengrün und Obergrochlitz und haben zur Stadtratssitzung Plakate mitgebracht.</p>

Die Dritt- und Viertklässler fühlen sich an ihrer Grundschule in Cossengrün sichtlich wohl. Fotos (2): Katja Grieser

Lange und heftige Debatte in der Greizer Stadtratssitzung über die geplanten Schließungen der Grundschulen Ferdinand Haußmann Cossengrün und Bertolt Brecht in Greiz-Obergrochlitz.

Von Katja Grieser

Greiz. Selten ist die Zuschauertribüne im Greizer Rathaussaal so voll besetzt gewesen wie am Donnerstagabend: Eltern mit Kindern und Lehrer hatten sich zu dem Häuflein Interessierter gesellt, das die Sitzungen immer aufmerksam verfolgt. Grund für das gesteigerte Interesse sind die geplanten Schließungen der Grundschulen Cossengrün und Obergrochlitz: erstgenannte zum Ende dieses, letztere Ende kommenden Schuljahrs.

Um es vorwegzunehmen: Von der Stadt geht ans Landratsamt eine negative Stellungnahme, weil eine große Mehrheit der Räte sich gegen die Schulschließungen ausgesprochen hat. Allerdings hat das nur symbolischen Charakter, denn die Entscheidung liegt beim Kreistag.

 

Fokus liegt auf Goethe- und Lessingschule

Die zuständigen Landratsamtsmitarbeiter Yvonne Gensicke und Thomas Enke erläuterten die Pläne. "Es sind Vorschläge der Verwaltung an den Kreistag", bemühte sich Abteilungsleiterin Gensicke, nicht den Eindruck entstehen zu lassen, alles sei bereits beschlossene Sache. Der Kreistag kann sich frühestens am 3. März mit dem Thema befassen.

Yvonne Gensicke hatte für ihre Untersuchung die sechs Greizer Grundschulen und - "nur informativ" - die Mohlsdorfer Schule herangezogen. Da in Cossengrün derzeit 30, in Obergrochlitz 60 Kinder lernen, die Lessing- sowie die Goethe-Grundschule noch Platz für weitere 160 beziehungsweise 184 Schüler haben, schlägt die Abteilungsleiterin vor, dass die Kinder der beiden von der Schließung bedrohten Einrichtungen dort beschult werden können. Es sei sogar möglich, komplette Klassen zu übernehmen.

"Warum haben Sie nicht die Kapazitäten aller Schulen ausgewiesen?", fragte Annette Heinz und weiter: "Da ist doch eine Tendenz erkennbar", meint die Stadträtin der Interessengemeinschaft für Wirtschaft und Arbeit und erhielt für diesen Einwurf Applaus von den Gästen. Yvonne Gensicke bestätigte, dass die Lessing- und die Goethegrundschule die bevorzugten seien, "weil sie modern sind". Man habe jedoch nichts dagegen, wenn sich Eltern in Zukunft für die Schulen in Irchwitz, Pohlitz oder Elsterberg entscheiden, sagte sei.

Neben den Schülerzahlen wurden als weiteres Argument für eine Schließung die Investitionskosten angeführt. Saniert werden müssten außer der Lessing- und der Goetheschule alle anderen. In das Gebäude in Irchwitz müssten 2,8 Millionen Euro, in das in Obergrochlitz 1,6 Millionen, in das in Pohlitz 2,6 Millionen, in Cossengrün 1,21 Millionen und in Mohlsdorf 900 000 Euro investiert werden. Auch wenn, so Gensicke, Cossengrün und Obergrochlitz nicht zu den größten Baumaßnahmen gehören, sei die Investition pro beschultem Kind höher als bei anderen.

Ihr Vorschlag: Goethe-, Lessing- und Mohlsdorfer Schule erhalten, in Irchwitz eine Teilsanierung bis 2020 vornehmen, in Pohlitz entweder Sanierung oder Umzug in ein neues Gebäude, Schließung der Schule in Cossengrün in diesem, der Schule in Obergrochlitz im nächsten Jahr. Bei der Brecht-Grundschule halte sie gegebenenfalls einen Übergang an einen freien Träger, etwa die Carolinenschule, für möglich.

Johannes Arzt wunderte sich: "Da reden alle immer davon, dass der ländliche Raum gefördert werden soll", so der IWA-Stadtrat, der nicht verstehen kann, weshalb man etwa die Cossengrüner Schule schließen will. Darauf entgegen ihm Yvonne Gensicke: "Für mich ist das hier alles ländlicher Raum."

Christian Tischner (CDU) wollte wissen, ob die künftigen Fahrtzeiten berechnet worden sind, die bei einer Schulschließung auf die Kinder zukommen. 18 Minuten länger als jetzt habe Yvonne Gensicke anhand von "Google Maps", ein Routenplaner im Internet, ermittelt. Das brachte ihr nicht nur spöttische Bemerkungen von Seiten der Eltern ein. Johannes Arzt hielt es nicht auf dem Platz. Der IWA-Stadtrat ist von Beruf Busfahrer, "ich fahre auch die Linie Cossengrün. Unter einer halben Stunden läuft da nichts. Und da darf dann aber keiner aus- und einsteigen. Ich würde Sie auch gern mal mitnehmen, wenn Winter ist", sagt er, an die Abteilungsleiterin gerichtet.

Guido Brinckmeyer ist überzeugt, dass mit einer Schule auch ein Teil der Stadt stirbt. "Das Gemeindeleben verändert sich", so der Linke-Stadtrat, der überlegt, was folgt, "der Kindergarten?", fragt er.

Rederecht erhielten auch die Betroffenen. Cony Stark aus Cossengrün wies darauf hin, wie wichtig es ist, dass eine Schule in "zumutbarer Entfernung" zum Wohnort ist. Für manche Kinder würde das Aus der Cossengrüner Schule bedeuten, dass sie künftig eine Stunde und zehn Minuten unterwegs sein müssten. Sie wies darauf hin, wie verunsichert die Eltern sind und forderte die Räte auf: "Tun Sie alles, was Sie ermöglichen können. Kleine Schulen sind ein Gewinn für die ländliche Region."

"Kinder sollten im Mittelpunkt stehen, nicht die Zahlen", findet Dirk Fuchs, der für die Obergrochlitzer sprach. Die Kinder seien im Ort in Vereinen aktiv, mit der benachbarten Carolinenschule führe man gemeinsame Projekte durch und "die Kinder lieben ihre Schule", so der Greizer. Deren Schließung sei "ein gravierender Einschnitt in unser Leben und das unserer Kinder", so Fuchs.

Für Jürgen Frantz, CDU-Stadtrat und Ortsteilbürgermeister von Obergrochlitz, sei eine mögliche Schließung der Brecht-Grundschule nichts Neues, wie er sagte. Man habe sich vor sechs Jahren darauf geeinigt, den Standort so lange wie möglich zu halten. "Aber die Schule ist nur abzureißen. Sie ist baulich nicht erhaltungswürdig, es müsste ein Neubau vonstattengehen", sagte der Christdemokrat. Durch Krankheit und seinen Urlaub, der sich nicht habe verschieben lassen, sei es ihm bislang noch nicht möglich gewesen, sich gemeinsam mit dem Ortsteilrat eine Meinung zu bilden. Das werde aber nun nachgeholt, versprach er.

Bei beiden Schulen wurde namentlich abgestimmt, die entsprechenden Anträge dazu kamen von IWA und Linke. 21 Stadträte sagten Nein zur Schulschließung in Cossengrün, 22 zur Schließung der Brecht-Grundschule. Ein Ja gab es bei beiden Abstimmungen nicht. Acht beziehungsweise sieben Räte enthielten sich der Stimme, darunter auffallend viele Kreisräte wie Bürgermeister Gerd Grüner und Ines Wartenberg (beide SPD) sowie Christian Tischner und Jürgen Frantz (beide CDU). Die Enthaltungen kamen ausschließlich aus den Fraktionen SPD und CDU.

Quelle: OTZ

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