Interessengemeinschaft Wirtschaft und Arbeit

Abgestimmt: Greiz soll künftig mit fürstlich vogtländisch werben

Logo mit doppelschwänzigem Reußen-Löwen ausgewählt. Etwa 100 Interessierte lassen sich Severin Zähringer von der Agentur Realitätsverlust das neue Greizer Marketingkonzept erläutern.

Severin Zähringer von der Agentur Realitätsverlust aus Reichenbach stellt in der Vogtlandhalle das Logo und den Slogan vor, mit dem Greiz künftig für sich werben will.Foto: Katja Grieser Severin Zähringer von der Agentur Realitätsverlust aus Reichenbach stellt in der Vogtlandhalle das Logo und den Slogan vor, mit dem Greiz künftig für sich werben will.Foto: Katja Grieser
 
Greiz. Die Greizer haben abgestimmt und das Ergebnis ist eindeutig: Über 50 Prozent wollen, dass die Stadt künftig mit fürstlich vogtländisch für sich wirbt. Der Slogan soll neben dem royalblauen Wappen stehen, das der doppelschwänzige Reußen-Löwe ziert. Eine weiße, geschwungene Linie soll die Elster symbolisieren. Mit dem an aufgeschlagene Buchseiten erinnernden Detail am Wappen will man auf die kulturelle Vielfalt in der Stadt hinweisen. Ziel ist es, vor allem den kulturell interessierten Gast zwischen 30 und 60 Jahren nach Greiz zu locken. Fürstlich vogtländisch finde ich toll. Perle des Vogtlandes würde ich aber noch dazu nehmen. Holger Wittig, Nachtwächter und Stadtführer Severin Zähringer von der Agentur Realitätsverlust stellte am Dienstagabend den rund 100 Interessierten in der Vogtlandhalle nicht nur Logo und Slogan vor, sondern auch das neue Marketingkonzept. Das hat er gemeinsam mit Robert Seidel und Lisa Rauh erstellt. Die Realitätsverlust-Crew wurde zudem von Greizern unterstützt, die ihre Ideen in den Zukunftswerkstätten eingebracht hatten. Zudem seien über 50 Expertengespräche geführt worden. Nachdem in den letzten Wochen die Logo- und Sloganvorschläge heißt diskutiert wurden, waren am Dienstag nicht alle mit den bei der Abstimmung als Sieger hervorgegangenen Variante einverstanden. Während Martina Högger von der Bürgerinitiative Weil wir Greiz lieben beides edel findet, Severin Zähringer im Kopf sogar eine Verbindung vom einst kleinsten Fürstentum mit der Hauptstadt Greiz zum heute existierenden Fürstentum Monaco herstellt, findet Stadtführer Holger Wittig den Slogan zwar toll, hätte aber Perle des Vogtlandes zusätzlich eingebaut. "Seit den 1930er-Jahren werben wir damit", begründet er seinen Einwand. Logo und Slogan sind jedoch nur ein Teil der neuen Werbestrategie. Viel wichtiger ist, dass die Stadt damit nicht etwas verspricht, was sie nicht halten kann. Deshalb haben die Werbeleute auf 174 Seiten Vorschläge aufgelistet, was in Greiz verändert werden müsste. Das beginnt bei so grundlegenden Dingen wie der Kommunikation, "die muss nach innen und außen verbessert werden", fordert Severin Zähringer. In diesem Punkt pflichteten ihm mehrere Zuhörer bei. Kundenorientiertes Denken und bürgernahes Handeln war ein weiterer Punkt, den die Agentur als verbesserungswürdig identifiziert hat. Ein Bürgerportal könnte eingerichtet werden, bei dem die Greizer schnell und unkompliziert ihre Anliegen loswerden können. Eine "wichtige Maßnahme" sei die Einführung eines Parkleitsystems in der Stadt. Zudem gelte es, das Verkehrskonzept zu verändern und dabei einen Kompromiss zu finden. "Einerseits soll die Innenstadt beruhigt, aber auch die Händler müssen zufrieden gestellt werden", nennt Zähringer die Bedingungen. Für die meisten Zuhörer besonders spannend waren die Ideen, wie Greiz für Bewohner und Gäste attraktiver werden kann. Dazu gehört etwa das Anlegen von öffentlichen Grillplätzen unterhalb des Roten Hauses an der Elster. Die Altstadt könnten zum Freilichtmuseum, die alten Kanonen sollen vor der Alten Wache aufgestellt werden, so ein Vorschlag. Nur ein wenig Farbe brauche man, um die Felsenkeller-Eingänge ansehnlicher zu machen. Ein "Biergarten unter den Linden" vor dem Unteren Schloss wäre ein gastronomisches Detail, über das sich nicht nur Touristen freuen würden. Einen Stadtstrand in der Neustadt sei ebenso denkbar wie das Pflanzen von Obstbäumen, die zum "Buffet in der Stadt" werden, sprich, jeder kann sich bedienen. Am Elstersteig wird das Anbringen eines Bildwegweisers empfohlen, für den Zugang zum Oberen Schloss müsse eine für Besucher attraktive Zwischenlösung her. Das Etablieren von Wächterhäusern könnte helfen, leerstehende Gebäude vor dem Verfall zu schützen. Die Idee: Für eine geringe Miete bezieht ein Interessent das Haus, erledigt dafür beispielsweise kleinere, im Gebäude anfallende Reparaturen. Besser koordiniert werden sollten die Veranstaltungen. Ein Vorschlag ist das Zusammenfassen von Weihnachtsmarkt, Fürstenweihnacht und Winterzauber zu einer Veranstaltung. Den Werbeleuten schwebt auch ein Event vor, das Greiz national bekannt macht. "Wie wäre es mit dem größten Theaterstück der Welt", so Zähringer und meint das auf die Fläche bezogen. Ganz Greiz könnte so zur Bühne werden. Wie soll das bezahlt werden?, fragten sich etliche Besucher. Severin Zähringer ließ keinen Zweifel daran, dass ohne ehrenamtliches Engagement der Greizer vieles nicht möglich sein wird. Er stellte zudem ein alternatives, in München praktiziertes Finanzierungsmodell vor. Wenn dort in touristische Maßnahmen investiert wird, ist die Stadt zu 50 Prozent im Boot. In die andere Hälfte der Kosten teilen sich Hotels, Gaststätten, Einzelhandel, also die, die vom Tourismus profitieren. Dass es an Hotels und einer Jugendherberge fehlt, darauf wies Stadtführer Konrad Wiedemann hin. Ob sich dafür ein Investor findet, wollte im Saal wohl keiner glauben. Kommentiert
Katja Grieser / 14.08.14 / OTZ

 

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